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Cochlea Implantat – ein Wunder der Technik

Cochlea Implantat – Funktionsweise, Implantation und Behandlung

Lesedauer: ca. 13 min.
Ein Cochlea Implantat (CI) hilft dann, wenn bei besonders hochgradiger Schwerhörigkeit selbst ein leistungsstarkes Hörgerät nicht mehr ausreicht oder bei Taubheit. Erfahren Sie bei Hör24 alles Wissenswerte rund um die Hörprothese – vom Aufbau und der Funktionsweise eines CI über den Ablauf der Implantation bis hin zur Therapie und Nachsorge nach der Operation.

Was ist ein Cochlea Implantat?

Cochlea Implantat

Abbildung 1: Cochlea Implantat ©MED-EL

Für viele schwerhörige Patienten stellt ein Hörgerät eine signifikante Verbesserung im Alltag dar. Was passiert jedoch, wenn die Leistung eines herkömmlichen Hörgerätes nicht mehr ausreicht oder bei Taubheit? In diesem Fall kann ein Cochlea Implantat (CI), welches auch als Hörprothese bekannt ist, zum Einsatz kommen. Das Implantat wird während einer Operation hinter der Ohrmuschel eingesetzt (s. Abb. 1). Durch Umwandlung des Schalls werden elektrische Impulse erzeugt die den Hörnerv direkt stimulieren, diese werden an das Gehirn weitergeleitet und so die Audiosignale hörbar gemacht.

Das Cochlea Implantat

Abbildung 2: Das Implantat ©MED-EL

Das CI wird bei hochgradig schwerhörigen oder ertaubten Patienten eingesetzt und besteht aus dem Implantat (s. Abb. 2), welches operativ eingesetzt wird und einem äußeren Teil mit einem Sprachprozessor und einer Sendespule (s. Abb. 3). Bereits seit 1984 werden in Deutschland CI implantiert und die Anzahl der CI-Patienten steigt stetig an. Während einer Operation wird ein dünner Silikonschlauch in die Cochlea (Hörschnecke) eingeführt (s. Abb. 4), welcher 12-22 Elektroden enthält. Das eigentliche Implantat wird im Knochen hinter dem Ohr verankert. Durch die medizinische Weiterentwicklung ist nach der Abheilung in der Regel keine Narbe sichtbar.

Der Sprachprozessor des Cochlea Implantat

Abbildung 3: Sprachprozessor ©MED-EL

Zwei bis sechs Wochen nach der Operation erfolgt die erstmalige Aktivierung des Implantats mit dem Sprachprozessor. Die Sendespule wird mit einem Magneten an das Implantat angekoppelt und überträgt die Informationen des Sprachprozessors an das eingesetzte Implantat.

Der Sprachprozessor ist, wie bei einem Hörgerät, hinter der Ohrmuschel positioniert. Mit Hilfe dieses Systems ist es möglich, den akustischen Schall in Stromimpulse umzuwandeln. Über das Mikrofon werden die akustischen Signale aus der Umgebung aufgenommen und vom Audioprozessor kodiert.

Der Elektrodenstrang in der Cochlea

Abbildung 4: Elektrodenstrang in der Cochlea ©MED-EL

Durch die Sendespule gelangen die Informationen transkutan (durch die Haut) an das Implantat, welches die Signale dekodiert. Das Implantat sendet anschließend elektrische Impulse an die Elektroden, wodurch an den entsprechenden Frequenzarealen Aktionspotentiale ausgelöst werden. Aufgrund dieser Potentiale kann der Hörnerv die Informationen an das Hörzentrum im Gehirn übermitteln.

 

Unterschied zwischen Hörgerät und Cochlea Implantat

Hörgerät Cochlea Implantat
mit Hilfe des Hörgerätes werden die Umgebungsgeräusche verstärkt beim Cochlea Implantat wird der Hörnerv durch kleine Stromimpulse stimuliert und so die defekten Haarzellen in der Cochlea (Hörschnecke) umgangen
die Stimulation erfolgt rein akustisch die Stimulation erfolgt elektrisch
die Hörgeräte-Einstellung erfolgt mit Hilfe der entsprechenden Kanäle (8-36) für die entsprechenden Frequenzbereiche die CI-Anpassung erfolgt durch Veränderung der Stromimpulse in Stärke und Stimulationsrate der einzelnen Elektroden (12-22)

 

Wann ist eine CI-Versorgung angebracht?

Eine CI-Versorgung ist erst dann indiziert, wenn eine hochgradige Schwerhörigkeit oder Taubheit vorliegt. Eine Grundvoraussetzung für das CI ist allerdings ein intakter Hörnerv. Erst nach ausführlichen Voruntersuchungen kann eine Empfehlung für oder gegen das Cochlea Implantat ausgesprochen werden. Für eine CI-Versorgung besteht keine Altersbegrenzung, sowohl Neugeborene im Alter von wenigen Monaten, als auch Menschen im hohen Alter können mit einem bzw. zwei Cochlea Implantaten versorgt werden.

Eine Grundvoraussetzung für das Cochlea Implantat ist ein intakter Hörnerv.

Standardmäßig wurde zu Beginn der CI-Technologie immer nur ein CI implantiert. Erst seit einigen Jahren wird zunehmend beidseitig eine Implantation vorgenommen. Denn wie bei herkömmlichen Hörgeräten gilt auch beim CI, dass das beidseitige Hören eine Erleichterung in geräuschvoller Umgebung und beim Richtungshören darstellt.

Ablauf einer CI-Versorgung

Besteht die Indikation für ein Cochlea Implantat, so werden zunächst zahlreiche Voruntersuchungen durchgeführt. Dabei wird zunächst die aktuelle Hörgeräteeinstellung überprüft, ein Tonaudiogramm und einige Sprachaudiogramme erstellt, der Hörnerv auf Funktionsfähigkeit mit Hilfe der BERA (brainstem evoked response audiometry) überprüft, sowie ein CT (Computertomographie) des Kopfes angefertigt. Die Untersuchungsdauer variiert bei den jeweiligen Kliniken in der Regel zwischen 1-3 Tagen. Im Anschluss berät das interdisziplinäre Team, meist bestehend aus Arzt, Audiologe, Logopäde und Therapeut, ob eine Implantation indiziert ist.

Im Falle, dass ein CI eine Verbesserung des Hörvermögens bewirken kann, wird die Krankenkasse informiert. Erst nach deren Genehmigung erfolgt die Operation. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass es sich um ein Implantat handelt und dieses somit nicht zu den medizinischen Hilfsmitteln gehört, welche zuzahlungspflichtig sind. Denn zu den Hilfsmitteln gehören lediglich bewegliche Sachen. Durch das Einbringen der Sache in den menschlichen Körper, in diesem Fall das Implantat, verliert es seine Eigenschaft als Sache. In diesem Fall übernimmt daher die Krankenkasse die anfallenden Kosten zu 100%.

Während der 2-3 stündigen Operation, die unter Vollnarkose durchgeführt wird, werden die Elektroden und das Implantat eingesetzt. In der Regel geht die Operation mit einem 3-4 tägigen stationären Krankenhausaufenthalt einher. Die Abheilung nach der Implantation variiert zwischen 2-6 Wochen.

Nach der Implantation

Erst nach der vollständigen Abheilung erfolgt die Erstanpassung. Während dieses Termins wird erstmalig der Sprachprozessor mit der Spule an das Ohr gesetzt und aktiviert. Viele langzeitertaubte Patienten berichten, dass zunächst erst Geräusche wahrgenommen werden. Im Laufe der ersten Wochen entwickeln sich aus diesen Tönen einzelne Wörter. Das Ziel der Basistherapie ist es, dem Patienten einen grundlegenden Höreindruck für Geräusche und Sprache zu ermöglichen. Während dieser Zeit besteht eine enge Verknüpfung zwischen den sprachtherapeutischen Maßnahmen, der medizinischen Nachbetreuung und der technischen und audiometrischen Kontrolle. In dieser Phase ist zusätzlich das individuelle Hörtraining der Patienten zu Hause wichtig, da erst durch ständiges Wiederholen und Üben die neuen Verbindungen zum Hörverständnis über das CI geschaffen werden können.

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Die nahtlos ineinander übergehende Folgetherapie ist durch das schrittweise Erlernen der Geräusch- und Sprachwahrnehmung mit Hilfe von standardisierten Tests gekennzeichnet. Zunächst wird mit dem Verstehen von kurzen Wörtern begonnen. Im weiteren Verlauf folgt das Verstehen von ganzen Sätzen, unter anderem auch in störgeräuschhaltigen Situationen. Direkt nach der Aktivierung des Sprachprozessors erfolgen über einen Zeitraum von einem Monat engmaschig geplante Nachsorgetermine, um das CI nach und nach immer feiner anzupassen. Zwischen dem 2. und 6. Monat folgen ein bis zwei Nachsorgetermine pro Monat, und ab dem 6. Monat variiert es zwischen 2-6 Terminen pro Jahr. Erst nach einer stabilen CI-Einstellung, der sogenannten MAP, folgen die lebenslangen jährlichen Nachsorgetermine.

Remote-Care – die digitale Nachsorge in Wohnortnähe

Das Projekt “Remote-Care” der Firma auric Hörsysteme und des Deutschen Hörzentrums (DHZ) an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wird seit 2008 kontinuierlich weiterentwickelt. Es steht für die wohnortnahe Nachsorge von Menschen mit einem Cochlea Hör-Implantat (CI) und wurde bereits zweimal ausgezeichnet.

Ausgangspunkt für dieses Projekt war die Frage, wie man die regelmäßige Nachsorge so gestalten kann, dass CI-Träger dafür nicht immer in die betreuende Klinik kommen müssen, aber dennoch deren Kompetenz bei der Anpassung nutzen können. Das ist der Ansatz für die Entwicklung des sogenannten auric-Remote-Fitting-System (aRFS).

Remote-Fitting bedeutet übersetzt „Fernanpassung“. Gemeint ist ein hochmodernes Verfahren zur Anpassung von Hörsystemen durch direkten Datentransfer – ein großer Erfolg in der jungen Geschichte der Telemedizin und eine beträchtliche Erleichterung im Lebensalltag von CI-Trägern.

In speziell ausgestatteten Hörcentern wird der Sprachprozessor des Implantats durch geschulte CI-Akustiker überprüft und an einen mit dem Remote-Fitting-System ausgestatteten Rechner angeschlossen. Ein Audiologe der verantwortlichen Klink wird in Echtzeit über eine gesicherte Video- und Audioverbindung zugeschaltet und kann so direkt mit dem Patienten die Einstellungen überprüfen und ggf. korrigieren.

Das Remote-Fitting-System ist für alle CI-Träger geeignet, deren Einstellung (MAP) stabil ist. Für die steigende Zahl der Patienten mit Cochlea-Implantat liegen die Vorteile auf der Hand: Eine wohnortnahe, qualitätsgesicherte Nachsorge wird so gewährleistet und damit auch der nachhaltige Erfolg des Implantats gesichert. Zur jährlichen Feinkorrektur kann ganz einfach ein Termin in einem der derzeit 25 auric Hörcenter vereinbart werden, die über die entsprechende Technik und speziell geschulte Hörakustiker verfügen. Auch die direkte Bereitstellung von Ersatzteilen für das Implantat ist ein großer Pluspunkt. Das Netzwerk der auric Hörcenter, in denen Remote-Fitting möglich ist, wird stetig erweitert.

„Das Projekt Remote-Care bietet für die Hör-Implantat-Träger eine große Entlastung“, erläutert auric-Geschäftsführer Dr. Mark Winter. „Es bietet die Möglichkeit, aus der Versorgung der großen Universitätsklinik zurückzukommen zu dem vertrauten HNO-Arzt und Hörakustiker.“

auric ist zertifizierter Partner der Firmen Cochlear, Advanced Bionics, Oticon Medical und MED-EL.

Bereits 2016 erhielt das Nachsorgekonzept „Remote Care“ den Niedersächsischen Gesundheitspreis. Jetzt wurde es in Brüssel auch mit dem European Innovation Impact Award 2017 ausgezeichnet.

Rehabilitation

Der EAS-Prozesor des Cochlea Implantats

Abbildung 5: EAS-Prozessor ©Cochlear Limited

Für CI-Patienten gibt es die Möglichkeit einer Rehabilitation im Rahmen eines ambulanten oder stationären Aufenthalts. Dies bedarf eines Genehmigungsverfahrens, denn grundsätzlich gilt für jede orthopädische Prothese oder Organersatzoperation, dass spätestens 14 Tage nach der Operation die Anschlussheilbehandlung (AHB) beginnt. Allerdings wird durch die längere Heilungsphase bei CI-Patienten dieser Zeitrahmen oft überschritten und somit unwirksam. Laut dem Sozialgesetzbuch (SGB IX) ist das Ziel der Rehabilitation, „[…] die Behinderung abzuwenden, zu beseitigen, zu mindern, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder ihre Folgen zu mildern“ (SGB IX, §4, Abs 1.1). Demzufolge hat jeder CI-Patient Anspruch auf eine Rehabilitation.

Welche Varianten bei der CI-Versorgung gibt es?

Seit Einführung der Cochlea Implantate werden alle eintreffenden Signale in elektrische Impulse umgewandelt. Jedoch wurde im Laufe der Zeit die Hybrid-Ankopplung entwickelt. Dieses System stellt eine Kombination aus akustischer und elektrischer Stimulation dar und wird als EAS (elektrisch-akustische Stimulation) bezeichnet (s. Abb. 5).

Tonaudiogramm für ein EAS-System

Abbildung 6: Beispiel eines Tonaudiogramm für ein EAS-System

Die hochfrequenten Anteile, die am Anfang der Cochlea positioniert sind, werden mit Hilfe des elektrischen Teils gehört. Tiefe Signale werden eher am Ende der Cochlea wahrgenommen. Besteht noch ein ausreichendes Hörvermögen für diesen Frequenzbereich, können die tieffrequenten Signalanteile über ein Ohrpassstück akustisch dargeboten werden (s. Abb. 6).

 Die Bimodale Versorgung mit CI-Sprachprozessor und Hörgerät

Abbildung 7: Bimodale Versorgung mit CI-Sprachprozessor und Hörgerät ©Advanced Bionics und Phonak

Im Laufe der CI-Entwicklung wurde immer mehr sichtbar, dass eine Zusammenarbeit zwischen CI- und Hörgeräte-Hersteller unabdingbar ist, wodurch mittlerweile Kooperationen entstanden sind. Auf diese Weise wurde die bimodale Versorgung (einseitige CI-Versorgung und einseitige Hörgeräte-Versorgung) bis heute ständig weiterentwickelt (s. Abb. 7).

So können Programmwechsel an einem System geändert werden, und das gegenüberliegende System wird automatisch mit umgestellt. Zudem besteht eine interaktive Kommunikation, wodurch Mikrofoneinstellungen und Geräuscherkennungen in beiden Systemen abgeglichen werden und so die bestmögliche Verbesserung forciert wird.

Zubehör

Wireless Zubehör für Cochlea Implantate

Abbildung 8: Wireless Zubehör ©Cochlear Limited

Im Laufe der Zeit hat sich ein großes Spektrum an Zubehör für CI-Patienten von FM-Anlagen, über Wireless-Zubehör (s. Abb. 8) wie bspw. für den Fernseher oder ein externes Mikrofon, bis hin zum Schwimmschutz (s. Abb. 9), entwickelt.

Aqua+ Zubehör für Cochlea Implantate

Abbildung 9: Aqua+ Zubehör ©Cochlear Limited

Zusätzlich besteht seit einiger Zeit die Möglichkeit Cochlea Implantate von immer mehr Herstellern mit Akkus zu betreiben. Dabei hängt die Nutzungsdauer des Akkus von der Größe, der CI-Einstellung, und den Umgebungsgeräuschen ab, wodurch eine Schwankungsbreite von Stunden bis Tagen resultiert.

Wir beraten Sie gerne kostenlos und unverbindlich. Rufen Sie uns an. Oder fordern Sie jetzt gleich eine telefonische Beratung an. Wir begleiten Sie auf Ihrem Weg zum besseren Hören.


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